Niyama

Die zweite Stufe des Raja Yoga nach der Schule der Patanjali, das Niyama, ist ein Verhaltenskodex, der sich durch Einschränkungen reglementierend auf den Praktizierenden auswirkt.

Insgesamt umfassen diese Verhaltensregel fünf Niyamas, nämlich Ishvarapranidhana, Tapas, Svadhyaya, Samtosha und Shauca.

Shauca umfasst dabei die äußerliche und innere Reinheit respektive Sauberkeit. Übersetzt bedeutet der Begriff Shauca das Geklärte. Diese Art des Yogas beschreibt bei der äußeren Reinheit hygienische Gebote, während die innere Reinheit über zwei Prozesse erlangen, beziehungsweise erhalten, lässt.

Einerseits sollte der Praktizierende auf die gesunde und reine Funktionsweise seines Körpers achten. Doch anderseits befasst sich Yoga mit der Reinheit des Geistes. Durch die unterschiedlichen Körperstellungen im Yoga, die mit Asana bezeichnet werden, und die Atemübungen, Pranayama genannt, soll im Wesentlichen die innere Reinheit erlangt werden. Ergänzt werden diese von einer Fülle von Übungen, die speziell zur Reinigung des Inneren vorgesehen sind. Diese werden Kriyas genannt.

Im Gegensatz zum Shauca befassen sich Samtosha mit der philosophischen Seite des Inneren. Zufriedenheit, Bescheidenheit und Genügsamkeit bedeutet Samtosha übersetzt. Kern der Lehre ist, dass das Indiividuum das Vorhandene als gegeben hinnimmt und nicht seine Energien in Erwartungen und dergleichen investiert.

Zudem sollte man Misserfolge als Lehre aufnehmen anstatt sich über sein Schicksal zu beklagen. Außerdem solle man sich nach der Lehre der Samtosha nicht mit dem Nächsten vergleichen.

Diese sehr christlichen Werte des Yogas erfreuen sich in okzidentalen Kulturkreisen steigender Beliebtheit und haben nicht zuletzt auch das Bild des Yogameisters extrem geprägt, der oftmals als sehr genügsam dargestellt wird.

Das Niyama Tapas beschäftigt sich mit der Fitness und der Gesundheit des Körpers. Man solle den Körper erhitzen durch die regelmäßige Ausübung der Übungen der Asanas.

Diese sind wiederum diszipliniert und ausdauernd durchzuführen. Somit werde im Körper ein Feuer entfacht, welches im Stande sei, die angelagerten Rückstände des körperlichen Abfalls durch Verbrennung zu beseitigen. Dies umfasst auch Aufmerksamkeit bei den Essgewohnheiten, wobei eine Parallele zum Ayuveda besteht, da die Nahrungszubereitung sehr ähnlich ist.

Die zentralen Lehren der Tapas sind eifriges Trainieren des Körpers, wie beispielhaft durch Ausdauertraining und Muskelaufbau, Aufmerksamkeit bei der Nahrungsaufnahme und ein bewusstes Atmen. Damit solle sowohl der physische, wie auch der psychische Belast beseitigt werden.

Svadhyaya behandelt die Thematiken der Reflexion und der Selbsterkundung, wobei hierbei ein sich selbst näher Kommen impliziert wird. Die Übersetzung setzt sich aus der Begrifflichkeit Sya, was so viel wie selbst bedeutet, und Adhyaya, das im Sanskrit Untersuchung, beziehungsweise Erforschung, heißt.

Dieses Niyama befasst sich somit mit den eigenen Denken und Handeln, welches beobachtet und kritisch hinterfragt werden soll, um sich so insgesamt bewusster zu werden.

Zu diesem Zwecke umfasst Svadhayaya das Studieren der alten Texte, da nach den Lehren des Yogas zum einen das egozentrische Verhalten verpönt ist und zum anderen aus den Lehren der alten Meister ein neues Bewusstsein erschaffen werden.

Zusätzlich sollen die alten Texte dem Individuum einen Bezugspunkt im Leben geben. Dabei könne man auch neben indischen Überlieferungen und Texten mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Hintergrund durchaus die Bibel hierfür studieren.

Die Lehren des Ishvarapranidhana befassen sich mit der Gottesideologie, wobei es sich hierbei um ein Bewusstsein jenseits des Christentums handelt, obwohl die einzelne Gottheit bei der Ausübung der Ishvarapranidhana trivial ist.

Im Zentrum steht ein von Ängsten und Zweifeln befreites Bewusstsein, da Gott wisse, was wir wirklich brauchen. Dabei solle man einfach wissen, dass Gott es mit uns gut meint und uns den richtigen Weg offenbart. Hierbei reiche es, seine bestmögliche Leistung zu erbringen und das Schicksal getrost in Gottes Hände zu geben.