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Viele Arbeitnehmer greifen zu leistungssteigernden Mitteln

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Angst vor der Entlassung, Termindruck und Unzufriedenheit mit dem Chef – immer mehr deutsche Arbeitnehmer greifen zu Aufputschmitteln, um den Arbeitstag zu überstehen. Die Folge: Arbeitsunfähigkeitstage nehmen zu. Dies zeigt nun der aktuelle Fehlzeitenreport, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) vorgelegt wurde.

Amphetamine am Arbeitsplatz

Für die Studie wurden 2.000 Arbeitnehmer zwischen 16-65 Jahren befragt. Im Mittelpunkt der Befragung standen die Belastungen im Job sowie die persönliche Gesundheitsfürsorge. Noch immer gehören Alkohol und Tabak zu den beliebtesten Genussmitteln der Deutschen. Doch die Wirkung genügt vielen Arbeitnehmern nicht, etliche Erwerbstätige greifen zusätzlich zu leistungssteigernden Substanzen und betreiben damit aktives Gehirndoping. Besonders Psychopharmaka und Amphetamine sind auf dem Vormarsch. Männer liegen hier vorn; von den männlichen Befragten hatten 8,9 Prozent zugegeben, stimulierende Mittel einzunehmen. Bei den Frauen waren es zwei Prozent. Insgesamt hat jeder fünfte Befragte in den letzten 12 Jahren Erwerbstätigkeit solche Mittel konsumiert. Vor allem Berufseinsteiger sind gefährdet, in die Abhängigkeit zu geraten, um den Anforderungen des Arbeitslebens gerecht zu werden. In der Altersgruppe der unter 30-Jährigen nimmt jeder Zwölfte regelmäßig leistungssteigernde Substanzen ein. Experten vermuten jedoch, dass die Dunkelziffer viel höher liegt.

Aufputschmittel haben gesundheitliche Spätfolgen

Studien haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass die Bereitschaft stimulierende Substanzen einzunehmen in der arbeitenden Bevölkerung hoch ist. Amphetamine sind hier besonders beliebt, da sie das Müdigkeitsgefühl reduzieren, außerdem steigern sie kurzfristig die Leistungsfähigkeit und heben die Stimmung. Die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit ist hoch. Zudem können Aufputschmittel Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen, bei regelmäßiger Benutzung können sogar die Organe geschädigt werden. Doch Suchtdroge Nummer eins in Deutschland ist nach wie vor Alkohol. 44 Prozent aller Fälle von Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2012 sind auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Umso größer der Bildungsgrad, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit des Alkoholmissbrauchs. Beim Rauchen ist ein gegenteiliges Phänomen zu beobachten; umso gebildeter ein Arbeitnehmer ist, desto geringer ist das Risiko, dass er Tabak konsumiert.

Arbeitgeber müssen bessere Arbeitsplatzbedingungen schaffen

Doch Alkohol- und Tabakmissbrauch hat nicht nur gesundheitliche Folgen, auch die Wirtschaft wird in Mitleidenschaft gezogen. So haben die Fehlzeiten durch suchtbedingte Arbeitsunfähigkeit seit dem Jahr 2002 um 17 Prozent zugenommen. Während es im Jahr 2002 noch 2,07 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage zu vermelden gab, stiegen sie 2012 auf 2,42 Millionen. Alkoholmissbrauch und Rauchen allein kosten die Wirtschaft jedes Jahr 60,25 Milliarden Euro. Um diesem Trend entgegenzuwirken, fordern Gesundheitsexperten praxisnahe Präventionsprogramme, die WIdO sieht die Politik hier in der Pflicht. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert, dass Arbeitgeber ein positiveres Arbeitsumfeld schaffen. So muss Arbeit nicht nur anerkannt werden, auch die Bezahlung muss hoch genug sein. Kurse für die Gesundheitsfürsorge der Mitarbeiter wie Entspannung oder Sport könnten helfen, Stress abzubauen. Zudem dürften junge Arbeitnehmer nicht ausgebeutet werden, die EU müsse außerdem den Zugang zu leistungssteigernden Stimulanzien erschweren.

Leistungsdruck am Arbeitsplatz nimmt zu

Dass der Druck am Arbeitsplatz immer weiter zunimmt, ist oftmals nicht nur eine subjektive Einschätzung, sondern eine Tatsache. So ermittelte der „Stressreport Deutschland 2012″ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), dass sich jeder zweite Arbeitnehmer zunehmend unter Druck gesetzt fühlt. Doch nicht erst mit dem Berufseinstieg greifen die Menschen zu Aufputschmitteln, bereits während der Ausbildung betreiben viele Gehirndoping. In Deutschland verwenden fünf Prozent der deutschen Studenten leistungssteigernde Mittel. Warum der Stress zugenommen hat, hat verschiedene Gründe. So haben technologische Entwicklungen die Arbeitswelt nachhaltig verändert, die Arbeitsgeschwindigkeit hat in Zeiten von E-Mail und Co. stark zugenommen. Auch die Globalisierung trägt ihren Anteil bei, denn der Konkurrenzdruck ist für deutsche Unternehmen größer geworden, Mitarbeiter müssen diesen ebenfalls mittragen. Besonders gefährdet, in die Abhängigkeit zu geraten, sind jedoch Arbeitnehmer, die zum Perfektionismus neigen und oft Versagensängste spüren. Wer nicht Nein sagen kann und große Angst hat, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wird eher Stress empfinden als Menschen, die es im Job auch mal lockerer angehen lassen können.

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