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Neue Hoffnung für Betroffene von chronischen Kopfschmerzen

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Fast jeder kennt ihn, den bohrenden Schmerz im Kopf. Für viele Deutsche gehören Kopfschmerzen zum Alltag. Wenn medikamentöse und alternative Behandlungen nicht wirken, ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Doch aus der Wissenschaft kommen gute Nachrichten, die gezielte Nervenstimulation half in ersten Untersuchungen bereits einem Großteil der Patienten.

Nervenstimulation gegen Migräne und Clusterkopfschmerzen

Etwa jeder zweihundertste Deutsche wird von chronischer Migräne und Clusterkopfschmerzen geplagt. Bei diesen Menschen helfen vorbeugende Medikamentengaben und häufig auch alternative Verfahren wie Entspannungsmethoden oder Akupunktur nur wenig. Ein neuer Ansatz wurde nun in ersten Untersuchungen mit Kopfschmerzpatienten überprüft. Bei dem Verfahren werden Nerven mit elektrischen Impulsen stimuliert, bei fast 70 Prozent der Patienten zeigten sich Erfolge. Doch bis das Verfahren in der medizinischen Praxis eingesetzt werden kann, muss weiter geforscht werden. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) warnt vor einer zu frühen Anwendung. So müsse etwa herausgefunden werden, wo die Elektroden platziert werden, welche Stromstärke am besten wirkt und welche Nebenwirkungen auftreten können. Um diese Wissenslücken zu schließen, finden in Deutschland derzeit sechs Langzeitstudien statt.

Neuromodulation kann Schmerzintensität und Häufigkeit der Anfälle verringern

Die Grundlagen für das erfolgversprechende neue Verfahren wurden von einem internationalen Forscherteam gelegt. Dieses hatte herausgefunden, dass Patienten mit einem Clusterkopfschmerz die Stimulation eines Nervenknotens hilft. Der Nervenknoten – der Ganglion sphenopalatinum – verknüpft die Nervenfasern von Auge und Nase und liegt hinter dem Kieferknochen. In ersten Versuchen wurden Kopfschmerzpatienten Elektroden in die Nähe des Nervenknotens implantiert. Kam es zu einem Anfall, aktivierten die Wissenschaftler die Elektroden mit einer Fernbedienung. Bei 19 der Teilnehmer verringerte sich die Häufigkeit der Anfälle, auch die Stärke der Kopfschmerzen reduzierte sich. Die Stimulation des Nervenknotens ist nicht die erste Untersuchung zur Neuromodulation. In anderen Studien wurde der Vagusnerv am Hals stimuliert, um Kopfschmerzen zu bekämpfen. In den USA ist dieses Verfahren bereits für die Behandlung von schweren Depressionen zugelassen. In einigen deutschen Kopfschmerzzentren kommen solche neurophysiologischen Verfahren bereits zum Einsatz. Neben der Stimulation des Hypothalamus – einer Hirnregion – werden auch die Occipitalis-Nerven mit Strom angeregt. Bei der peripheren Nervenstimulation (PNS) wird ein entsprechendes System unter die Haut am Nacken implantiert, über ein Steuergerät kann der Patient anschließend die Impulse auslösen und so die Schmerzen bewusst behandeln.

Chronische Kopfschmerzen schränken Lebensqualität ein

Bei Clusterkopfschmerzen kommt es zu einem stechenden Schmerz in der Nähe eines Auges oder der Schläfe. In zehn Prozent der Fälle wird der Kopfschmerz chronisch, das heißt, er kommt immer wieder. Jeder fünfte der Betroffenen wird erwerbsunfähig. Auch die chronische Migräne ist kein seltenes Phänomen, sie ist dann chronisch, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat und über einen Zeitraum von drei Monaten auftritt. Zu den typischen Begleitbeschwerden der Migräne gehören Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Patienten, die an chronischen Kopfschmerzen leiden haben oftmals eine lange Ärzteodyssee hinter sich, denn die Medizin kennt über 250 verschiedene Arten des Kopfschmerzes. Bis eine Diagnose gestellt ist, kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Alltag. Viele fallen im Beruf aus oder können alltägliche Aufgaben nicht mehr erledigen. Doch selbst wenn der Kopfschmerz identifiziert ist, ist das Leiden für viele noch nicht vorüber.

Konservative Behandlungen oft nicht langfristig erfolgversprechend

Für beide Arten des Kopfschmerzes werden in der Regel Schmerzmedikamente mit der Wirkstoffgruppe der Triptane verschrieben. Bei chronischer Migräne haben sich außerdem verschiedene alternative Verfahren wie Yoga oder die Progressive Muskelentspannung bewährt, bei einigen hilft Akupressur oder Biofeedback. Auch zur Behandlung und Vorbeugung kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, für überbrückende Therapien kann etwa Kortison verschrieben werden. Bei einem akuten Anfall erhalten die Patienten 100-prozentigen Sauerstoff, auch das Spitzen eines lokalen Betäubungsmittels in ein Nasenloch hat sich bewährt. Problematisch wird es dann, wenn medikamentöse und vorbeugende Maßnahmen erfolglos bleiben oder nach Jahren an Wirksamkeit einbüßen. Bei jedem zweiten Patienten mit chronischen Kopfschmerzen helfen weder konservative noch alternative Verfahren, hier sind neue Behandlungskonzepte gefragt.

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