Lebensmittelallergie

Manchmal steht auf einer Tüte Kartoffelchips unter der Angabe der Inhaltsstoffe zu lesen: „Kann Spuren von Nüssen enthalten“.

Neben der Frage, wie Nüsse in die salzige Knabberei hineingeraten, könnte man denken: „So kleine Mengen anzugeben ist doch wirklich überflüssig und kleinkariert.“

Allerdings haben sich die EU-Bürokraten schon etwas dabei gedacht. Denn Lebensmittelallergiker bekommen schon beim Verzehr der gringsten Dosis ihres Allergens erhebliche Schwierigkeiten. Die Symptome sind derart vielfältig, dass manchmal gar nicht an eine Allergie gedacht wird. Entzündlich geschwollene Schleimhäute im Mund und Hals mögen noch auf eine Allergie hindeuten. Auch Übelkeit und Erbrechen folgen ja auf den Genuß von etwas Unverträglichem. Wenn sich aber atopische Ekzeme auf der Haut ausbreiten, kann zunächst eine Kontaktallergie vermutet werden. Schnupfen und Asthma werden zumindest mit Allergien in Verbindung gebracht, aber wer denkt schon bei Arthtritis an eine Lebensmittelallergie?

Die Diagnose einer Lebensmittelallergie ist für den Arzt recht schwierig. Die sonst bei Allergien üblichen Provokationstests sind teils fehlerhaft, teils gibt es gar keine geeigneten Präparate. Am ehesten ist die Krankheit noch mit Blutuntersuchen nachzuweisen, bei der spezifische Antikörper identifiziert werden. Die Antikörper sind die Antwort des Organismus auf das Allergen, hier eben ein Eiweißbestandteil in einem Nahrungsmittel.

Ist der Auslöser der Allergie gefunden, kann er gemieden werden. Die unter dem Begriff Karenzdiät bekannte Therapie ist aber gar nicht so einfach. Oft überreagiert das Immunsystem auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier und Sojamehl. Ohnehin reichen allerkleinste Mengen des Allergens, die nicht nur versteckt, sondern auch als Verunreinigung in Lebenmitteln enthalten sind. Besonders heikel ist die Tatsache, dass oft schon Babies erkranken. Diätetische Lebensmittel, die speziell einzelne Bestandteile nicht enthalten, zum Teil aufwendig herausgefiltert wurden, sind dann die einzige Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern.

Bei einer Lebensmittelallergie besteht immer das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, der eine lebensbedrohliche Komplikation darstellt. Daher ist der Allergiker gut beraten, wenn er immer Notfallmedikamente bei sich trägt. Antihistaminika und Cortison haben bei dauernder Anwendung zwar schwere Nebenwirkungen, sind aber manchmal als Sofortmaßnahme unbedingt erforderlich. Cromoglicinsäure hilft vor allem bei Magen- und Darmproblemen.

Bei vielen Allergieformen hilft eine Hyposensibilisierung. Diese Therapie kann nur den Patienten angeboten werden, deren Lebensmittelallergie mit einer sogenannten assoziierten Pollenkreuzallergie einhergeht. Allergene auf Blütenpollen sind denen mancher Nahrungsbestandteile sehr ähnlich und rufen daher auch dieselben Reaktionen hervor. Heuschnupfen und Lebensmittelallergien gehen daher oft Hand in Hand.

Eine Reihe von Unverträglickeiten gehören ins Reich der Pseudoallergien. Zum Beispiel Milchzucker und das Weizen-Eiweiß Gluten verursachen Beschwerden, die nicht auf eine Entgleisung des Immunsystems zurückzuführen sind.